Zukunftsfähigkeit des Berufsfeldes Ernährung und Hauswirtschaft auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt

In dieser Arbeitsgruppe wird die Problematik aufgegriffen, dass die Berufe im Berufsfeld Ernährung und Hauswirtschaft mit Imageproblemen zu kämpfen haben, obwohl hier zukünftig ein Bedarf an Fachkräften prognostiziert wird (vgl. Helmrich et al. 2012, S. 9ff.). Die Gründe für die Imageprobleme sind vielfältig. So sind beispielsweise acht der zehn Berufe mit einem hohen Anteil an unbesetzten Ausbildungsplätzen dem Berufsfeld Ernährung und Hauswirtschaft zuzuordnen. Darüber hinaus sind in diesem Berufsfeld insgesamt hohe Lösungsquoten in dualen Ausbildungsverhältnissen zu verzeichnen. Restaurantfachleute und Köche/Köchinnen liegen sogar auf Platz eins und zwei der zehn Berufe mit den höchsten Lösungsquoten (vgl. BMBF 2013). Eine branchenübergreifende Studie zur Gesamtbewertung der Ausbildungssituation aus Sicht der Auszubildenden zeigt zudem die nicht immer optimalen Ausbildungsbedingungen im Berufsfeld. Besonders gilt dies für die Berufe Koch/Köchin, Hotelfachleute sowie Fachverkäufer/-in im Lebensmittelhandwerk (vgl. DGB Bundesvorstand 2013). Gründe für das schlechte Image und die mangelnde Attraktivität können sein, dass häufig kein formaler Abschluss für eine Stellenbesetzung erforderlich ist, das beispielsweise der Gastronomiebereich hinsichtlich der Einkommensentwicklung keine besonderen monetären Anreize bietet oder aber auch die überdurchschnittlich hohe Beteiligung des Berufsfeldes im Bereich der beruflichen Integrationsförderung, wie dies z.B. im Bereich der Hauswirtschaft der Fall ist (vgl. Bott, Braun, Helmrich et al 2014, S. 34 ff.; Brutzer 2014, S. 128ff.).

Vor diesem Hintergrund möchte die Arbeitsgruppe die Entwicklung der Berufe im Berufsfeld Ernährung und Hauswirtschaft analysieren und sich in diesem Kontext mit der übergeordneten Fragestellung auseinandersetzen, wie das Berufsfeld Ernährung und Hauswirtschaft zukunftsfähig bleiben kann. Folgende Fragen sind dabei für die Arbeitsgruppe zentral:

  • Was muss sich verändern, um den Stellenwert und die Attraktivität verschiedener Berufe im Berufsfeld auszubauen?
  • Inwiefern müssen Berufsbilder angepasst und Berufszuschnitte innoviert werden?
  • Wie kann die duale Ausbildung professionalisiert und qualitativ verbessert werden?
  • Warum entscheiden sich Auszubildende trotz des überwiegend schlechten Images der Berufe im Berufsfeld Ernährung und Hauswirtschaft dennoch für diese Ausbildungsberufe?
  • Wie identifizieren sich die Auszubildenden mit ihrem Ausbildungsberuf und wo liegen die Karriereinteressen?
  • Aus welchen Gründen werden Ausbildungen abgebrochen?

Angedacht ist in diesem Zusammenhang z.B. eine empirische Erhebung zu Berufswahlmotivation, um Daten zu diesen Fragestellungen zu generieren und auf dieser Grundlage Chancen und Maßnahmen für Attraktivitätsverbesserungen abzuleiten. Zur Abgrenzung der genauen Fragestellung einer solchen Erhebung werden derzeit diverse Studien zu Berufswahlmotivation und zu Imageproblemen des Berufsfeldes Ernährung und Hauswirtschaft analysiert. 

Literatur:

BMBF – Bundesministerium für Bildung und Forschung (Hrsg.). (2013). Berufsbildungsbericht 2013. Bonn.

Bott, P.; Braun, U.; Helmrich, R.; Leppelmeier, I. Lewalder, A.; Maier, T. & Weller, I. (2014).  Qualifikationsstruktur und Erwerbstätigkeit im Gastgewerbe. Brauchen Hotel- und Gaststättenberufe neue Rezepte? Wissenschaftliche Diskussionspapiere (Heft 150). Bonn.

Brutzer, Alexandra (2014). Niedrigschwellige Qualifizierung in der beruflichen Bildung. Am Beispiel des Berufsfeldes Hauswirtschaft. Bielefeld.

DGB Bundesvorstand (2013). Ausbildungsreport 2013. Berlin.

Helmrich, R.; Zika, G.; Kalinowski, M. & Wolter, M. I. (2012): Engpässe auf dem Arbeitsmarkt: Geändertes Bildungs- und Erwerbsverhalten mildert Fachkräftemangel. Neue Ergebnisse der BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen bis zum Jahr 2030. In: BIBB Report. Heft 18, 6. Jg., Bonn.

Moderation: Julia Kastrup (Fachhochschule Münster, Institut für Berufliche Lehrerbildung), kastrup@fh-muenster.de